Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Social Media Leitfaden gemeinsam entwickeln

Ein Blog des Wilhelm-Gefeller-Bildungs- und Tagungszentrums

Einsatzbeispiele für Social Media in Unternehmen

Von Ute Demuth am 23. März 2012

Bevor wir uns hier damit beschäftigen, wie sinnvolle Regelungen zur Nutzung sozialer Medien entwickelt werden können, wollen wir einen kleinen Überblick über die betrieblichen Einsatzmöglichkeiten von Social Media geben. Und über einige der Baustellen, die sich damit für Betriebsräte auftun.

Unternehmen nutzen Social Media-Anwendungen nach außen, z. B.

  • in der Öffentlichkeitsarbeit,
  • zur Marktbeobachtung,
  • zur direkten Kundenkommunikation und
  • zum Finden geeigneter Fachkräfte.

Und intern, z. B.

  • im Wissensmanagement,
  • zum informellen Austausch zwischen Beschäftigten,
  • zum zeit- und ortsunabhängigen Kommunizieren und
  • zum schnellen Zugriff auf Informationen.

… und was bedeutet das für Betriebsräte und Beschäftigte?

Wie nutzen Unternehmen soziale Medien?

Plattformen wie z. B. Facebook sind öffentlich, sie stehen im weltweiten Netz zur Verfügung. Dadurch sind sie für Unternehmen als Marketing-Instrument interessant. Die Kommunikation über sie ist ein Teil der Öffentlichkeitsarbeit von Unternehmen (Beispiel). Mit der Pflege dieser Accounts sind in der Regel Beschäftigte der Kommunikationsabteilungen betraut. Firmen nutzen Social Media auch im Kundenservice, ein Beispiel ist die Telekom mit dem Twitter-Account @telekom_hilft. Unternehmen kommen so ihren Kunden näher und bekommen sehr direktes Feedback.

Auch werden soziale Medien zum Finden von geeigneten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern (→E-Recruiting oder Online Recruiting, Beispiel) genutzt. Viele Menschen stellen sich im Netz im Hinblick auf mögliche Auftrag- oder Arbeitgeber dar. Welche Rolle das letztlich bei der Einstellung spielt, ist von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich. Das ist z. B. eine der Baustellen, um die sich Betriebsräte kümmern sollten.

Nutzung innerhalb des Unternehmens

Soziale Medien bieten eine geeignete Infrastruktur, Wissen zu teilen, weiterzuentwickeln und zu bewahren. Dass Kooperation und Austausch über das Netz immer wichtiger werden, hat auch damit zu tun, dass die Zahl der so genannten Wissensarbeiter steigt. Sie erzeugen, ver- und bearbeiten Wissen und geben es weiter. Im Zuge der Globalisierung werden zudem virtuelle Arbeitsformen immer wichtiger. Der demografische Wandel – Wie behalte ich das Wissen im Unternehmen? – ist ein weiterer Faktor. Social Media-Anwendungen dienen in Unternehmen außerdem dazu, den informellen Austausch zu fördern und mehr über die Stimmung in der Belegschaft zu erfahren.

Eine Voraussetzung für den erfolgreichen Einsatz ist, dass der Nutzen und die Ziele der Social Media-Nutzung allen Beteiligten im Betrieb transparent sind. Dazu mehr in den kommenden Artikeln.

Was bedeutet das nun für Beschäftigte und den Betriebsrat?

Für die Beschäftigten kann der interne Einsatz sozialer Medien z. B. ein Weg sein, schneller die Expertinnen und Experten für ein bestimmtes Problem im Unternehmen ausfindig zu machen oder ohne große Mühe an wichtige Infos zu kommen. Das kann die Arbeitszufriedenheit steigern. Damit werden Menschen am Arbeitsplatz sichtbarer und – zumindest potenziell – auch kontrollierbarer.

Bei der externen Nutzung wird ein Hauptmerkmal von Social Media besonders deutlich: Das Berufliche dringt in die private bzw. persönliche Sphäre ein und umgekehrt. E-Mailen, Surfen, schauen was die anderen gerade tun, all das kann ich am Arbeitsplatz tun – oder vom heimischen Sofa aus. In beiden Fällen können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eigene Geräte nutzen oder die des Arbeitgebers. In beruflichen Nutzerkonten werden private Kontakte gesammelt, in zunächst privat genutzten Accounts werden Kollegen hinzugefügt.
In den sozialen Netzwerken wie Facebook oder Xing treten Firmen durch ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an die Öffentlichkeit heran. Damit werden Beschäftigte auch nach außen sichtbarer. Es liegt mehr Verantwortung beim Einzelnen. Im Zweifel müssen Beschäftigte wissen, wo die Grenze zwischen Loyalitätsverpflichtung gegenüber dem Arbeitgeber und ihrem Recht auf freie Meinungsäußerung liegt.

Fragen, die sich dadurch in der Betriebsratsarbeit stellen sind beispielsweise:

  • Wie kann verhindert werden, dass Beschäftigte kontrolliert und überwacht werden, obwohl sie ständig Spuren im Netz hinterlassen?
  • Wie kann kontrolliert werden, ob Arbeits- und Ruhezeiten eingehalten werden?
  • Kann der Arbeitgeber Beschäftigte zwingen, einen Account, der beruflich genutzt werden soll, auf den eigenem Namen einzurichten?

Sowohl für die Arbeitgeber als auch für Betriebsräte gilt, dass mit dieser Situation umzugehen ist und dazu Regelungen getroffen werden müssen.

Dazu ist es wichtig, dass alle in den Dialog treten: Betriebsräte, Arbeitgeber und Beschäftigte.

 

Vulkanmodell Sozialer Software

Vulkanmodell Sozialer Software (Bild: Karsten Ehms, Lizenz: cc-by-nc-sa-3.0)

Einen Kommentar verfassen






+ 6 = vierzehn

  • Letzte Kommentare

  • Log Offensive Bildung