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Ein Blog des Wilhelm-Gefeller-Bildungs- und Tagungszentrums

Kommunikation in alle Richtungen: Die Randstad-Betriebsräte und das Projekt “Socialising”

Von Ute Demuth am 4. September 2012

Randstad Betriebsrat

Foto: Doris Gerhardt

Die Betriebsräte der Randstad GmbH vertreten in Deutschland über 60.000 Beschäftigte. Durch die Struktur des Unternehmens – auf der einen Seite die internen Beschäftigten, auf der anderen Seite die weitaus größere Zahl derer, die in den Unternehmen der Randstad-Kunden als Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer eingesetzt sind – ergeben sich für die Arbeit der Interessenvertretung besondere Herausforderungen. Mit dem Projekt “Socialising” gehen die Betriebsräte nun neue Wege. Dazu haben wir Frank Bouvain, Personalausschussvorsitzender und Doris Gerhardt, die Leiterin des Projekts, befragt.

 

Ihr habt zu Beginn dieses Jahres das Projekt “Socialising” angestoßen – was kann man sich darunter vorstellen?

Doris Gerhardt: „Socialising“ heißt Knüpfen von Kontakten, miteinander kommunizieren, Kommunikation in alle Richtungen. Heute kann sich keiner mehr davor verschließen, Social Media zu nutzen. In unserem Unternehmen ist dies besonders wichtig, da wir unsere Kollegen, die als Zeitarbeitnehmer im Kundeneinsatz arbeiten, eben nicht immer an ihrem Arbeitsplatz besuchen können. Wir drei Einzel-Betriebsratsgremien vertreten die Interessen von über 60.000 Mitarbeitern.

 

Wie seid Ihr auf die Idee gekommen das zu machen, welche Ziele verfolgt Ihr mit dem Projekt?

Frank Bouvain: Die jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wachsen heute schon mit iPhone, Twitter, Facebook usw. auf und kennen sich bestens mit der Technik aus. Die Hälfte unserer Kollegen hat eine E-Mail-Adresse. Bei der letzten Betriebsversammlung hier in Berlin hatten wir noch einmal per E-Mail daran erinnert und daraufhin haben sich noch viele nachträglich angemeldet.

Ein weiterer Punkt war „mein-randstad.de“, ein Projekt das seit einiger Zeit ruht. Die Geschäftsführung von Randstad hat andere Prioritäten setzen müssen. Dieses Portal für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollen wir durch „Socialising“ wieder aufleben lassen. Auf „mein-randstad.de“ wollen wir allen die Möglichkeit geben, Daten einzusehen oder auch zu bearbeiten, wie z. B. Angaben zur Berufserfahrung, Ausbildung und zu Zusatzqualifikationen. Die Kolleginnen und Kollegen sollen ihre persönlichen Daten wie Adresse, E-Mail, Telefon, Handy selbst pflegen können. Auch die Angaben rund um die Einsätze bei den Randstad-Kunden sollen einsehbar sein, das macht sämtliche Vorgänge transparenter und schneller: So kann die Zeiterfassung kontrolliert werden, Abrechnungen eingesehen und Urlaub beantragt werden. Natürlich wollen wir auch Betriebsvereinbarungen und den Tarifvertrag zur Verfügung stellen. Unsere BR-Zeitung, der „regio express“ soll dort zum Herunterladen angeboten werden, unser Layout ist schon darauf optimiert.

 

Ihr seid ja eines von insgesamt drei Randstad-Betriebsratsgremien in Deutschland, wie arbeitet Ihr bei diesem Projekt mit den anderen Standorten zusammen?

Doris Gerhardt: Wir sind eine Arbeitsgruppe des Gesamtbetriebsrates. Aus allen drei Regionen sind jeweils zwei Betriebsratskollegen entsandt. Ein Kollege aus dem Technologieausschuss des Gesamtbetriebsrates ist auch dabei. Zusätzlich haben wir einen externen Sachverstand beauftragt, um diese Arbeitsgruppe fachlich zu unterstützen. Bei unseren ersten Treffen haben wir eine Denkfabrik eingerichtet. Hier haben wir alle Punkte gesammelt, die das Projekt “Socialising“ beinhaltet. Ganz klar, dann folgte das Projektmanagement: Zeitschiene, Ansprechpartner auf Arbeitgeberseite, Zwischenschritte setzen. Hierzu wurde für die Mitglieder das Aufgabenfeld klar definiert.

 

Wollt Ihr Eure Pläne auf der Plattform des Arbeitgebers umsetzen oder wollt Ihr etwas Eigenes machen? Und allgemein: Wie läuft die Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeber?

Frank Bouvain: Es gibt Auftritte des Betriebsrates auf den Plattformen des Arbeitgebers, z. B. mit Gastbeiträgen auf dem Randstad-Blog. Obwohl wir festgestellt haben, dass hier nur Artikel gewünscht sind, die nicht zu kritisch sind und wir uns überlegen sollten, ob wir lieber einen eigenen Blog einrichten. Wir haben bereits durchgesetzt, dass auf den Niederlassungswebseiten* der Betriebsrat vorgestellt wird und dort unsere Kontaktdaten einsehbar sind. Auf diesen Seiten können wir auch Termine wie die nächste Betriebsversammlung, unsere Niederlassungsbesuche oder Sprechstunden bekannt geben. Die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebervertretern ist bisher als konstruktiv zu bewerten. Diese Zusammenarbeit sind wir aus der Vergangenheit auch so gewohnt. Denn letztlich ist dies eine Win-win-Si­tu­a­ti­on. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind besser betreut, der Arbeitgeber erhält wesentliche Erleichterung im administrativen Bereich und wir können noch besser mit unseren Kolleginnen und Kollegen kommunizieren.

 

Es gibt ja viele Interessenvertretungen, die an einem ähnlichen Punkt sind wie Ihr, also ihre Social Media-Aktivitäten gerade planen: Gibt es schon Zwischenergebnisse, bzw. Erkenntnisse, von denen Ihr hier berichten könnt?

Frank Bouvain: Wir arbeiten mit vielen Entleiher-Betriebsräten zusammen. Kennen ihre Sorgen und Nöte aber auch viele gute Beispiele. Wir wissen auch, dass viele Betriebsräte ihre Betriebsratszeitung per E-Mail versenden. Jedoch konnten wir bei dem Projekt „Socialising“ nicht auf das Wissen der Entleiher-Betriebsräte bauen, da für die meisten Interessenvertretungen Social Media Neuland ist. Auch für uns ist dies Pionierarbeit.

Wir haben in unserer Betriebsratszeitung erstmalig mit QR-Codes gearbeitet und die Zeitung zum Teil per E-Mail verschickt. Das Feedback von den Beschäftigten ist zum fast durchweg positiv und es wurde einiges an Druck- und Versandkosten gespart. Die Betriebsräte der Region Nord haben über den Facebook-Aufritt des Arbeitgebers zur Betriebsversammlung eingeladen, auch das ist gut angekommen. Es wurde ein Einkaufsportal eingerichtet, bei dem auch unsere Mitarbeiter im Kundeneinsatz Rabatte erhalten.

 

Was würdet Ihr von einem Angebot wie diesem erwarten oder anders gefragt: Wie könnte wgb20.de Eure Arbeit sinnvoll unterstützen, was würdet Ihr Euch da wünschen?

Doris Gerhardt: Wir finden es gut, wenn ein Leitfaden erarbeitet wird, der es allen Betriebsräten ermöglicht, besser mit den modernen Medien umgehen zu können. Wir wollen unser Know-how mit einfließen lassen, um andere Betriebsräte damit zu unterstützen**. Man muss das Fahrrad ja nicht zweimal erfinden. ;-)

 

Wie geht es weiter bei Euch, was sind die nächsten Schritte, die Ihr plant?

Doris Gerhardt: In unserer Arbeitsgruppe muss überlegt werden, ob wir einen eigenen Blog für uns Betriebsräte haben möchten. Wir wollen, dass die Visitenkarten aller Randstad-Kollegen mit einem QR-Code versehen werden. Denn wir wissen, dass viele unsrer Kollegen ein Smartphone nutzen, um Informationen einzuholen. Beim diesjährigen „Deutschen Betriebsräte Preis“ werden wir mit einem Informationsstand vertreten sein und wir werden unser Projekt „Socialising“ 2013 vorstellen. Letzt­endlich werden wir weiter daran arbeiten, dass „mein-randstad.de“ vorangetrieben wird.

 

* Randstad betreibt bundesweit ca. 500 Niederlassungen

** Wer direkten Kontakt zu den Kolleginnen und Kollegen von Randstad möchte, melde sich gerne über diese Seite.

 

Ansonsten freuen wir uns wie immer auf Eure Kommentare!

 

 

 

Eine Antwort zu “Kommunikation in alle Richtungen: Die Randstad-Betriebsräte und das Projekt “Socialising””

  1. Uwe Fohgrub
    5. Juli 2016

    Hallo Ihr beim Betriebsrat,ich hätte mal eine Frage und eine Bitte,
    giebt es ein Archiv für den RegioExpress und wo kann man ihn einsehen?Es wäre eine gute Sache,wenn man mal zurück blättern könnte.

    Vielen Dank an den Betriebsrat
    mit freundl. Grüßen Uwe Fohgrub

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