Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie

Social Media Leitfaden gemeinsam entwickeln

Ein Blog des Wilhelm-Gefeller-Bildungs- und Tagungszentrums

Leitfragen, die erste

Von Ute Demuth am 19. Juli 2012

Orientierung

KlioKlein, Lizenz: CC BY-SA 3.0

Anhand von Leitfragen wollen wir bei der Entwicklung einer Betriebsvereinbarung oder einer Social Media-Richtlinie unterstützen, die einen für alle Seiten guten Umgang mit sozialen Medien in Betrieben möglich macht. Oft stehen sowohl Arbeitgeber als auch die Arbeitnehmervertretung eher am Anfang in der Auseinandersetzung mit diesem Thema. Der Betriebsrat muss nicht warten, bis der Arbeitgeber ein Konzept vorlegt: Die Fragen sollen Interessenvertretungen auch dabei unterstützen, eigene Strategien und Ideen zu entwickeln.

Der Einsatz von Social Media oder Social Business Software ist in vielen Unternehmen von hoher strategischer Bedeutung. In den zu entwickelnden Regelungen gilt es genug Freiraum dafür zu lassen, dass die Potenziale und Chancen genutzt werden können. Aber es muss auch für die Risiken sensibilisiert werden. Die Leitfragen sollen dazu beitragen, dass die Interessen der Beschäftigten von Anfang an berücksichtigt werden: Das geht von Schulungs- und Beratungsangeboten bis hin zur Einbeziehung der Belegschaft in die Entwicklung der Vereinbarung selbst.

In der ersten Folge unserer Reihe formulieren wir Fragen, die der Positionsbestimmung dienen, im zweiten und dritten Teil geht es um die konkrete Ausgestaltung der Richtlinien und im vierten um die Umsetzung im Betrieb.

1. Fragen zur Erfassung der betrieblichen Ist-Situation

Bestandsaufnahme

Werden bereits soziale Medien genutzt? Wenn ja, in welchen Abteilungen und von wem? Wie sind dort die Erfahrungen? Einsatzbeispiele finden sich in diesem Artikel.

Und allgemein: Wie steht es mit der Unternehmenskultur und der Arbeitszufriedenheit? Wie sieht es aus mit Hierarchien, Respekt, Vertrauen, Fehlertoleranz? Wie ist die Belegschaftsstruktur, z. B. Alter und Bildungshintergründe der Beschäftigten? Und: Welche elektronischen Medien sind bereits eingeführt?

Was weiß der Betriebsrat zum Thema Social Media?

Welche Informationen vom Arbeitgeber liegen vor? Wer sind Social Media-Expertinnen und -Experten, im Gremium und darüber hinaus? Wer soll in die Arbeit an einer betrieblichen Regelung einbezogen werden? Soll eine Arbeitsgruppe gegründet werden?

Wie wird in Betrieben aus derselben Branche mit dem Thema umgegangen? Generell: Gibt es Kontakte zu anderen Gremien, die sich mit dem Thema beschäftigen? Wenn nicht, wen könnte man fragen?

Hier ist es ratsam, eine Informationssammlung zu starten, z.B. mit Hilfe der Böckler-Seite.

Welche bestehenden Vereinbarungen, Tarifverträge etc. sind betroffen?

Der BR muss in diesem Prozess prüfen, welche Bereiche der Social Media-Nutzung bereits durch bestehende Regelungen abgedeckt sind. Und: Gibt es Vereinbarungen, die widersprüchlich zu dem sind, was zum Thema Social Media vereinbart werden soll? Es könnten beispielsweise Regelungen zur Arbeitszeit betroffen sein.

Wichtig ist auch die Frage der Zuständigkeit: Wenn es Gremien über den lokalen BR hinaus gibt: Wer verhandelt die Betriebsvereinbarung oder Guideline, der lokale Betriebsrat oder der Gesamt- oder Konzernbetriebsrat?

Welche Social Media-Strategie verfolgt der Arbeitgeber?

Gibt es ein Strategiepapier des Arbeitgebers? Gibt es bereits einen Entwurf für eine Guideline oder eine Vereinbarung?

Ist die Nutzung öffentlicher sozialer Medien wie Twitter oder Facebook geplant? Wenn ja, welche Dienste sollen genutzt werden? Welche Abteilungen, welche Kolleginnen und Kollegen sind in die Planungen einbezogen? Ist die Nutzung interner Social Media-Anwendungen – auch Social Software oder Social Business Software genannt – geplant? Wenn ja, welche Software soll eingeführt werden und was kann die? Ist eine Anpassung und Weiterentwicklung dieser intern verwendeten sozialen Medien an die betrieblichen Bedarfe möglich?

Was sind die Ziele des Betriebsrates bezüglich der Social Media-Nutzung?

Gibt es Punkte, die auf jeden Fall in der Regelung vorkommen sollen? Das könnte zum Beispiel sein, dass die Nutzung der Anwendungen freiwillig ist. Gibt es Punkte, die auf keinen Fall vorkommen sollen? Das könnte zum Beispiel sein, dass Beschäftigte verpflichtet werden, kurzfristig auf Anfragen zu antworten.

Neben den wahrzunehmenden Schutzinteressen gibt es weitere mögliche Ziele: Häufig wird die Regelung von Social Media in erster Linie unter dem Aspekt gesehen, Gefahren einzudämmen. Auf diesem Blog sind einige Artikel erschienen, die die Potenziale von Social Media deutlich machen. Als übergeordnete Ziele könnten z. B. die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie oder mehr Arbeitszufriedenheit formuliert werden.

In die Entwicklung eigener Ideen und Konzepte muss natürlich auch einbezogen werden, was die Beschäftigten wollen: Von zu Hause aus und statt donnerstags am Samstag arbeiten? Ihre eigenen Geräte zur Erledigung der Arbeit nutzen?

Welche Social Media-Strategie verfolgt der Betriebsrat?

Und für die Interessenvertretung selbst? Will der BR Social Media beispielsweise als Medium der Öffentlichkeitsarbeit nutzen? Dazu gibt es hier bereits zwei Artikel: Einen zur Nutzung  öffentlicher und einen zur Nutzung interner sozialer Medien.

Oder als weiteres Medium zur Vernetzung mit anderen Betriebsräten, zur Informationsbeschaffung? Auch dazu haben wir hier bereits etwas geschrieben.

Die Nutzung sozialer Medien im Betrieb lässt sich besser beurteilen, wenn auch das Gremium selbst diese Medien aktiv nutzt.

 

Nicht zuletzt muss sich die Interessenvertretung mit den übergreifenden Fragen befassen, die mit der Nutzung von Social Media verbunden sind: Wie geht der Betriebsrat beispielsweise mit der Aufweichung der räumlichen und zeitlichen Grenzen von Arbeit um?

 

Fehlt was? Wie immer freuen wir uns auf Euer Feedback und Eure Fragen!

 

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